Mann oder Frau – der Blick auf den Teller zeigt es

Wenn wir an geschlechterspezifisches Essen denken, kommen uns ganz bestimmte Rollenbilder in den Sinn. Wie zum Beispiel dieses von früher: Die Männer gehen auf Jagd und erbeuten wilde Tiere und deren Fleisch. Die Frauen sammeln Beeren, Getreide und Wurzeln und bereiten diese zu. Auch heute gibt es noch viele Klischees, aber gibt es auch echte Unterschiede in der Ernährung von Frauen und Männern?

Worauf Frauen und Männer beim Essen Wert legen

Was wir auf unseren Tellern haben, sagt etwas darüber aus, wer wir sind und wie wir wahrgenommen werden möchten. Dass dies bei Frauen anders aussieht als bei Männern, zeigen auch Studien. Die letzte in der Schweiz durchgeführte Ernährungserhebung menuCH konnte die folgenden Unterschiede aufzeigen:

 

  • Frauen essen mehr Früchte und Gemüse als Männer: Knapp die Hälfte aller Frauen schaffen mehr als drei bis vier Portionen pro Tag, bei den Männern sind es lediglich ein Drittel. Empfohlen werden fünf Portionen.
  • Männer konsumieren mehr Fleisch und Wurstwaren als Frauen: rund 140 g/Tag sind es bei den Männern, während es bei den Frauen lediglich rund 80 g/Tag sind. Auf die Woche gerechnet, sind dies immerhin ein knappes Kilo bei den Männern bzw. ein gutes halbes Kilo bei den Frauen.
  • Männer sind seltener Vegetarier: Als Vegetarier bezeichnen sich nur 2,5% der Männer. Bei den Frauen hingegen sind es 5,7%

 

Eine Verzehrsstudie aus Deutschland konnte sogar zeigen, dass diese Unterschiede beim Fleischkonsum bereits im Kindesalter ausgeprägt sind.

Doch es ist nicht nur das Essen selbst, sondern auch die Einstellung dazu. Für die meisten Männer ist das Thema gesunde Ernährung viel weniger wichtig als für Frauen. Ein Unterschied, der sich auf dem Teller bemerkbar macht.

 

Ganz bewusst: so essen Frauen

Nicht nur was, sondern auch wie. Typischerweise achten Frauen mehr auf ausgewogene Mahlzeiten und kalorienbewusste Gerichte auf ihrem Teller.

Mädchen und Frauen essen öfter figurbetont und haben auch mehr Diäterfahrung. Sie sind öfter streng mit sich bei der Auswahl, zügeln ihren Appetit oder zählen akribisch Kalorien. Ausserdem greifen Frauen öfter zu Nahrungsergänzungsmitteln (schweizweit 56%), als Männer (38%) dies tun. Fakt ist auch, dass Essstörungen bei Frauen häufiger sind als bei Männern.

 

Herzhaft und lustbetont: so essen die Männer

Streng und selektiv bei den Frauen stehen herzhaft und lustbetont bei den Männern gegenüber. Das zeigt sich vor allem in grösseren Portionen (bis zu 200 g pro Tag mehr), anderen Lebensmitteln (Gemüse essen gilt nicht wirklich als männlich), aber auch bei der Getränkeauswahl: Männer konsumieren weniger kalorienarme Kräuter- und Früchtetees, dafür aber mehr Süssgetränke und Alkohol.

 

Eine Frage des Geschlechts: Körperbau, Fett- und Muskelmasse

Die Körper von Männern und Frauen sind unterschiedlich gebaut. Männer sind im Durchschnitt grösser und besitzen mehr Muskelmasse als Frauen. Dadurch benötigt ihr Körper meist auch mehr Energie. Frauenkörper besitzen hingegen einen wesentlich höheren Fettanteil als Männer bei durchschnittlich geringerem Körpergewicht. Weil Muskeln mehr Kalorien als Fett verbrennen, benötigen Männer demnach im Ruhezustand mehr Nahrungsenergie als Frauen. Somit ist ein höherer Anteil an energiearmen Lebensmitteln für Frauen intuitiv richtig, weil automatisch auch kalorienärmer. Das erklärt auch, warum Frauen ihre tägliche Kalorienzufuhr stärker reduzieren müssen als Männer, um ein paar Kilo abzunehmen.

Weniger Energie bedeutet aber nicht auch gleichzeitig weniger Nährstoffe. Im Gegenteil: Bei vielen Empfehlungen für Vitamine und Nährstoffe gelten für Frauen die gleichen oder ähnliche Werte wie für Männer – oder sogar noch höhere. Aufgrund ihres geringeren Energiebedarfs benötigen Frauen also eine höhere Nährstoffdichte. Das bedeutet konkret: mindestens genauso viel Nährstoffe in der Nahrung bei weniger Energiezufuhr, um mit allen wichtigen Nährstoffen ausreichend versorgt zu sein. Von manchen Nährstoffen benötigen Frauen sogar deutlich mehr als Männer. In Situationen wie Schwangerschaft und Stillzeit haben Frauen einen erhöhten Bedarf an verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen. Ausserdem können physiologische Unterschiede die Zufuhrwerte sowohl bei Männern als auch Frauen beeinflussen: Frauen haben aufgrund der Blutverluste im gebärfähigen Alter einen höheren Eisenbedarf; bei Männern machen sich die höheren Verluste von Zink über den Schweiss in höheren Zufuhrempfehlungen bemerkbar.

 

Wie stabil sind diese Klischees?

«Fleisch macht kleine Jungs gross und stark!» Ob das so korrekt ist, sei dahingestellt. Da sich aktuelle Ernährungstrends und unsere Essgewohnheiten aber immer weiter in Richtung «gesund und nachhaltig» entwickeln, könnten diese Geschlechterklischees in Zukunft immer schwächer werden oder sich sogar auflösen. Vielleicht erzählen nachfolgende Generationen ihren Kindern nicht mehr, dass Fleisch, sondern viel Gemüse und Tofu gross und stark machen. Oder mehr Frauen essen öfter mal entspannt und lustbetont, dafür verzichten die Männer öfter mal auf grosse Fleischportionen. Wie wäre das?

Ein Beitrag von iMpuls.

iMpuls ist die Gesundheitsinitiative der Migros

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